Sonntag, 9. Februar 2014

Tanz der Sterne



1
Salina lebte in einem abgelegenen alten Holzschuppen nahe dem Wald.
Sie war schon sehr lange alleine.
Ihre Familie kam vor einigen Jahren ums Leben, als Holzfäller kamen und den Baum fällten in dem sie wohnten.
Als der Baum umstürzte, konnte nur Salina, die ihr Bettchen ganz in der Nähe eines Astloches hatte, retten.

Seit dieser Zeit ist das wunderschöne Lichtlein, des kleinen Glühwürmchens erloschen.

Salina konnte sich kaum noch an dieses Licht erinnern.
Auch ihre Fröhlichkeit und das Lachen waren verschwunden.
Jeder kannte sie nur als trauriges, einsames etwas.
Keiner hatte sie jemals glühen sehen.
Keiner hatte sie jemals Lachen hören.
Nachts wenn sie aufwachte und in den Wald flog, versteckte  sie sich oft hinter den Blättern der Bäume und sah den Hasenkindern oder den Igelkindern beim Spielen zu.

Da Salina kein Licht hatte, konnte auch niemand sie sehen.
Sie hörte den Eltern zu, wie sie ihre Kinder rügten wenn sie wieder ihre Streiche machten und sie erinnerte sich an damals als sie mit ihrer kleinen Schwester zusammen einen Wassertropfen auf einem Blatt auffing, diesen so über den Eingang ihrer Wohnung befestigten, das als ihr Vater aufwachte und hinaus unter den Sternenhimmel fliegen wollte, der Tropfen direkt auf ihn nieder fiel. Und er so nass war wie ein Fisch im Wasser.
Sie bekamen beide drei Sternennächte Hausarrest. Aber es war so Lustig, dass sie diesen Arrest gerne annahmen.
Selbst ihre Mutter musste etwas schmunzeln als sie ihren Mann triefend nass da stehen sah.
Als Salina so hinter ihrem Blatt saß und sich an diese Zeit erinnerte, vernahm sie die Stimme zweier Murmeltiere unten am Baum.

„Ist das heute nicht eine wunderschöne klare Sternennacht?“
„Ja, einfach herrlich. Ich freue mich immer wieder auf diese Nächte, wen sich der Himmel mit so vielen Sternen füllt das man sie kaum noch zählen kann.“ sagte das andere Murmeltier.
„Weißt du was mir an diesen Nächten so fehlt?“
„Was?“
„Der Tanz der Glühwürmchen.“
„Ja stimmt, schon seit einigen Jahren sieht man sie nicht mehr.“
„Es war immer so schön ihnen dabei zusehen wie sie am Sternenhimmel tanzten. Manchmal konnte man sie nicht von den Sternen unterscheiden.“
„Ja, sie fehlen mir auch, wo sie wohl geblieben sind?“ fragte der andere. Beide schauten sie wieder zum Sternenhimmel hoch.

Salina hörte ihren Gesprächen zu. Ihr Schmerz drängte sich in ihr Herz und ihre Augen füllten sich mit Tränen.

Ganz leise schlich sie sich davon und flog zu ihrer kleinen halb zerfallene Holzhütte zurück.
Dort wo niemand hin kam, dort wo niemand sie vermutete, dort wo sie sich in ihre Einsamkeit zurückziehen konnte.

  
jetzt auch in spanisch
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